Vares ist eine Verbandsgemeinde im zentralen Teil von Bosnien und Herzegowina und liegt im Gebiet der Föderation der Bosniaken und Kroaten. Die Stadt zählt ca. 9.500 Einwohner. Zur Gemeinde Vares gehören auch die auf dem gesamten Gemeindegebiet verteilten zahlreichen kleineren Dörfer und Siedlungen. Vor dem Bosnienkrieg war Vares eine wirtschaftlich aufblühende Stadt. Jetzt ist sie wirtschaftlich am Boden. Gründe dafür sind u.a. die Stilllegung der Kupfer- und Eisenerzbergwerke, der Krieg und auch die ethnischen Konflikte zwischen katholischer und muslimischer Bevölkerung sowie die Sanktionen durch die internationalen Staatengemeinschaften in der Nachkriegszeit.

Die Gemeinde Vares zählte vor dem bosnischen Krieg noch ca. 22.000 Einwohner. Davon waren ca. 41% katholisch (Kroaten), 30% Muslime (Bosniaken) und 16% orthodoxe Christen (Serben). Nach dem Krieg sank die Gesamtbevölkerung in der Gemeinde Vares deutlich. Die Mehrheit der Bewohner sind heute Muslime (73%). In der Gemeinde gibt es kaum noch orthodoxe Christen und nur noch ca. 26% Katholiken. Die Bevölkerung der Stadt setzt sich überwiegend aus Flüchtlingen aus den umliegenden Dörfern zusammen. In letzter Zeit kehren vermehrt vertriebene kroatische Einwohner aus Kroatien nach Vares zurück. Dennoch sank die Gesamteinwohnerzahl bis 2013 auf unter 10.000.

In der Stadt Vares befinden sich ein Franziskanerkloster und eine Niederlassung der Franziskanerinnen-Schulschwestern. Die Franziskaner betreiben neben ihrer pastoralen Tätigkeit auch eine Armenküche. Die Schulschwestern führen ein Kinderheim für 23 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 19 Jahren.

Der bosnische Krieg war folgenschwer und hat – in der einst reichen Bergwerksregion – miserable Zustände hinterlassen. Die Stadt Vares vermittelt heute den Eindruck eines abgeschnittenen Randgebietes, wo die meisten Menschen arbeitslos und viele Familien zerrüttet sind. Viele Kinder und Jugendliche benötigen mehr als ihnen ihre Eltern und die Umgebung, in der sie leben, bieten können. Wegen der schweren existenziellen Probleme fällt eine immer größere Anzahl von Menschen in Sinn- und Hoffnungslosigkeit, gefährdet durch Alkohol, Drogen, Prostitution. Unter den Folgen leiden meistens die Kinder. In der Stadt gibt es keine Erholungs- und Kulturangebote, die zur normalen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen beitragen würden. Außer den Grundinstitutionen, wie Schule, katholische Pfarrgemeinde, muslimische Religionsgemeinschaften, finden sich keine anderen Angebote, die den Kindern und Jugendlichen eine Werte-Erziehung bieten würden. Kinder und Jugendliche verbringen ihre Freizeit meist auf der Straße und in Kaffeestuben. Dadurch geraten sie in Schwierigkeiten und beladen sich mit noch größeren Problemen.

Das von den Schulschwestern geleitete Kinderheim „Mala Skola“ (Kleine Schule) ist eine Aufnahmegemeinschaft für Kinder und Jugendliche, die unter einer schweren persönlichen und familiären Situation leiden. Diese Situation wirkt sich negativ auf ihr Wachstum und ihre Selbstverwirklichung aus. Die derzeit 25 Schutzbefohlenen sind im Kinderheim ständig untergebracht. Die meisten kommen aus sehr problematischen und schwierigen Familienverhältnissen – ihre Grundbedürfnisse wurden nicht gedeckt. Die ersten Lebensjahre lebten sie ohne Liebe und elterliche Pflege, ohne fördernde Atmosphäre, positive Erlebnisse, Sicherheit. Das hat schwere Folgen auf allen Ebenen, vor allem auf der emotionalen, hinterlassen. Für das Wachstum benötigen diese Kinder unbedingt Hilfe, sehr oft auch psychologische. Damit diese Hilfe nicht bloß auf eine klassische psychologische reduziert wird, versuchen die Schwestern ihren Schützlingen mehr zu bieten. Es werden sinnvolle Freizeitbeschäftigungen als Therapie angeboten: Tanzgruppe, Musikgruppe, Theatergruppe und kreative Workshops. Diese Art und Weise von Beschäftigung ist für die Kinder eine neue Erfahrung. Es ist eine neue Anregung und Hilfe, die zur Entwicklung und zur Bewältigung der Traumata aus ihrer frühen Kindheit, beiträgt. Es dürfen Kinder und Jugendliche egal welcher ethnischen oder religiösen Konfession an den Freizeitaktivitäten der Franziskanerinnen teilnehmen.

Franz Hilf! hat für den Betrieb des Kinderheimes für die Dauer von 12 Monaten € 65.000,- überwiesen.